Allgemeines:

Es gibt viele interessante Gemüsearten,aber die interessanteste und vielseitigste ist wohl die Tomate (Lycopersicum Lycopersicum).Die Tomate zählt übrigens botanisch zu den Beeren, genau wie (unglaublicherweise) der Kürbis.
Die Tomate gehört nicht gerade zu den seltenen oder gar unbekannten Arten, warum dann diesem Gemüse eine extra Seite widmen? Einmal weil es eine unerschöpfliche Sortenvielfalt an Tomaten gibt, und zum anderen, weil wir beim Einkauf immer noch nur die typisch runde, rote Tomate vorfinden, die manchmal eher an schnittfestes Wasser erinnert.
Ich möchte dazu beitragen, dass Tomaten in ihrer ganzen Formen-und Farbvielfalt und vor allem in ihren Geschmacksvariationen einem breiten Publikum bekannt gemacht werden.

Die Tomate, auch Paradeiser oder Liebesapfel genannt gehört zur Gruppe der Nachtschattengewächse (Solanaceae) , zu der auch die Kartoffel z.B. gehört. Der Begriff Tomate stammt von den Aztekten und bedeutet soviel wie Schwellfrucht. Im 16.Jahrhundert gelangte die Tomate von ihrer südamerikanischen Heimat Mexiko, wo sie bereits von den Inkas angebaut wurde, nach Europa. Ihre ursprüngliche Farbe war gelb. Lange Zeit galt sie als giftig, wurde aber in den Gärten ihrer schönen Erscheinung wegen weiter kultiviert.
Stengel, Blätter und unreife Früchte enthalten tatsächlich das giftige Solanin, welches in reifen Früchten abgebaut ist. In der italienischen Küche hatte die Tomate seit Ende des 17.Jahrhunderts ihren festen Platz. In Deutschland dauerte es etwas länger, nämlich bis zum 1. Weltkrieg, ehe die Tomate von den hiesigen Bauern angebaut wurde. Durch Züchtungen war sie nun größer und ihr Aussehen rot geworden.

Seitdem hat die Tomate eine fast unermeßliche Form-und Farbvielfalt angenommen. Die Farbpalette geht von weiß, gelb, orange bis hin zu grün oder auch einem schwarzen Rotton. Dazwischen variieren die unterschiedlichsten Rottöne und wer es ganz bunt mag, für den gibt es auch gestreifte Exemplare.
Aber auch die Freunde exklusiver Formen kommen bei diesem Gemüse nicht zu kurz. Von kirschgroß über paprika- bis birnenförmig oder flach, auch mit tiefen Furchen, ist fast jede Form möglich. Und wegen dieser großen Vielfalt gibt es auch für jedermann die passende Tomatensorte.
Wer sich einen ersten Überblick verschaffen möchte, sollte auf die kommende Seite surfen. Dort gibt es wunderbares Anschauungsmaterial. http://members.tripod.de/rkraft/Tomatenfotos/galerie.htm

Aber die Tomate ist nicht nur etwas für das Auge und den Gaumen, sondern auch noch der Gesundheit sehr zuträglich. Neben dem hohen Carotin- und Vitamin C- Gehalt, enthält sie viele Mineralstoffe und ist darüber hinaus sehr kalorienarm. Der Inhaltsstoff "Lycopin" gilt sogar als Antikrebsmittel.

Anbau

Anbau:

Mitte März werden die Tomatensamen in Anzuchterde auf der Fensterbank ausgesät. Stellen Sie den Anzuchtkasten in ein warmes Zimmer. Pikiert wird beim Erscheinen des ersten Blattpaares, jedes Pflänzchen kommt in einen 9-10cm Topf. Eine noch frühere Aussaat lohnt sich nur, wenn man über Zusatzlicht verfügt und auch genug Stellfläche für die Pflanzen im April zur Verfügung hat. Ansonsten bekommen wir lange, stengelige Pflänzchen. Das Ziel sind aber kräftige, gedrungene Tomatenpflänzchen, die nicht vor den Eisheiligen ausgepflanzt werden sollten. Ins Gewächshaus kann schon ab Mitte April gepflanzt werden. Abhärten sollten Sie die Pflänzchen in jedem Fall. Aber lassen Sie ihre Schützlinge anfangs nicht gleich in der prallen Sonne stehen, ich hatte nach nur einem Nachmittag Pflänzchen mit sonnenverbrannten Blättern, die mir eingingen. Sind die Tomaten aklimatisiert, hungern sie förmlich nach der vollen Sonne, viel Wasser und viel "Nahrung".
Sie können dann ins Freiland oder in Kübeln an der Südseite des Hauses aufgestellt werden. Die Setzlinge tief bis zu den Keimblättern in die Erde pflanzen, an dem Stamm bilden sich noch zusätzliche Wurzeln aus.
Tomaten sind die einzigen unter den Gemüsen, die ihren alten Standort immer wieder haben möchten und sie lieben es, mit ihren eigenen Blättern gedüngt bzw. gemulcht zu werden. Die tägliche Pflege besteht im Gießen, Ausgeizen und Hochbinden. Beim Ausgeizen entfernt man die den Blattachseln entspringenden Seiten- oder Geiztriebe. Achtung; Bei den niedrig wachsenden Buschtomaten entfällt diese Pflegemaßnahme meist ganz! Ein-bis Zweiwöchiges Düngen ist erforderlich, besonders wenn die Pflanzen Früchte angesetzt haben. Jetzt muß auch die Wassergabe erhöht werden. Beim Dünger haben Sie die Auswahl zwischen spezielem Tomaten-Dünger, selbst angesetzter Brennesseljauche oder einer Mischung aus Vollmilch und Wasser (1:3). Es geht auch ein einfacher Flüssigdünger.
Viele Gartenbücher empfehlen das Ausbrechen der Triebspitze im August, die Pflanze soll ihre Kräfte in die verbleibenden Früchte und nicht ins Blattwerk investieren. Dieser Meinung schließe ich mich nicht an, denn die neu gebildeten Blätter sind für die Ernährung der Tomate wichtig. Je mehr Blätter wir der Tomate lassen, desto mehr Nährstoffe kann sie bereit stellen, was wiederum den Früchten zugute kommt.
Ein paar Worte zur Mischkultur: Tomaten lieben als Partner Basilikum, Bohnen, Knobi, Kohl, Mais, Möhren, Sellerie und Salate. Einen größeren Abstand sollte man zu Kartoffeln einhalten, da von ihnen die gefürchteten Sporen der Braunfäule ausgehen. Auch neben Fenchel und Gurken fühlen sich Tomaten nicht wohl. Als Unterpflanzung können natürlich auch Ringelblumen oder Tagetes genommen werden.
Photosynthese
Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen noch an das Thema jedes Biologie-Unterrichtes: Die Photosynthese! Hier eine kleine Auffrischung: Pflanzen, auch unsere Tomaten geben Sauerstoff an die Umgebung ab, und nehmen Kohlendioxid auf. Aus Wasser, Kohlendioxid und den Nährsalzen aus dem Dünger bildet die Pflanze Zucker, Stärke, Fett und Eiweiße. Für diesen chemischen Umwandlungsprozess braucht die Pflanze Licht bzw. Sonnenenergie, daher auch der Name Photo (=Licht) und synthesis (=Aufbau). Die Photosynthese findet ausschließlich in den grünen Teilen der Pflanze statt. Das erklärt auch, warum ich an meinen Tomaten alles Blattwerk einschließlich der Triebspitze belasse.

Welche Sorte soll ich nehmen?

Sorten:


Es gibt auf der ganzen Erde etwa 10.000 Tomatensorten, von denen nur einige hundert für den erwerbsmäßigen Anbau genommen werden. Für welche Sorte man sich nun entscheiden soll, fällt angsichts dieser Vielfalt schwer. Unterscheiden muß man einmal nach der Wuchsform.
Wächst die Tomate unbegrenzt in die Höhe (Stabtomate), oder bleibt sie niedrig und buschig (Buschtomaten). Daneben gibt es noch Raritäten, die man nicht am Stab oder Band hochleitet, wie die "Ampeltomate", oder die Sorte "Whippersnapper", die sich wie ein Teller auf dem Boden ausbreitet.
Dann spielt die Form und Farbe der Früchte eine entscheidende Rolle. Möchte ich eher Cocktail-Tomaten ernten, wie z.B. bei der Sorte "Johannisbeer Gelb", an der Unmengen johannisbeergroßer Früchte wachsen, oder bin ich mehr für die etwas gewichtigeren Fleischtomaten, wie z.B. der "Zitronenriese" oder die Lehrertomate, deren Früchte bis zu 700g schwer werden können.
Wichtig ist es auch, für welchen Zweck ich die Tomate verwenden möchte. Sollte sie mehr süß sein oder sich mehr zum Kochen eignen, oder ist eine Sorte einfach nur sehr dekorativ.
Man kann auch eine Tomatensorte passend zu den eigenen klimatischen Verhältnissen anbauen. Es gibt viele russische Sorten, die eine kurze Reifezeit haben, und denen Nässe und Kälte nicht so schnell etwas anhaben können, z.B. die Sorte "Siberia".
Neben diesen ganzen Auswahlkriterien gibt es die Möglichkeit eine alte, selten gewordene Sorte anzubauen, deren Samen in einem der vielen Samenbanken vor sich hinschlummern. Denn eine Sorte, die nicht angebaut wird, gerät in Vergessenheit, trotz der vielen Vereine und privaten Sortensammler.

Um überhaupt erstmal einen kleinen Überblick zu bekommen, lohnt sich der Blick in Spezialkataloge, wie sie private Sortensammler anbieten, oder auch wieder der Ausflug ins Internet. Hier gibt es einige ganz speziele Tomatenseiten, wo sich ein Vorbeischauen lohnt. Hier einige Adressen, die ich persönlich am ansprechendsten fand:

http://members.tripod.de/rkraft/tomatenhahm.html#Tomaten
Hier gibt es mittlerweile 1000 ! Tomatensorten zur Auswahl, das Ganze ist sehr ansprechend gemacht und die Preise für Tomatensamen mit 80 Pfennigen äußerst "human", also sehr verlockend einige Sorten mal auszuprobieren.

Hier noch einige Adressen, wo man Saatgut erhält:

Firma Küchengarten, Reinhold Krämer, Postfach 1511, 73505 Schwäbisch Gmünd, Tel:07171/928712, Fax:07171/928714
Der Katalog kostet ca. 5 DM und beinhaltet 250 alte und seltene Gemüse-Kräuter und Blumensorten.

Ferme de Saint Marthe, Ulla Grall, Bäreneck 4/Efeuhaus, 55288 Armsheim, Tel: 06734/960013, Fax: 06734/960014
Unterstützt vom französischen Landwirtschaftsministerium versucht Ferme de Saint Marthe den Erhalt alter Sorten zu sichern. Schwerpunkte sind Tomaten und Kürbisse.http://www.bio-saatgut.de

Dreschflegel, Postfach 1213, 37202 Witzenhausen, Tel: 05542/502744
http://www.dreschflegel-saatgut.de Dreschflegel ist ein Zusammenschluß mehrerer Biobetriebe. Der Schwerpunkt liegt bei Gemüse, es gibt aber auch Kräuter, Blumen und andere Kulturpflanzen. Der Katalog kostet ca. 5 DM.

Arche Noah, Gesellschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt, Obere Strasse 40, A-3553 Schloß Schiltern. Tel: 0043/2714/8626.
Gemeinnütziger Verein in Österreich, der mit dem eigenen und dem Saatgut der Mitglieder zusammen jedes Jahr ein neues Sortenhandbuch erstellt. In einem Barockgarten in Schiltern kann man sich den Sommer über vielerlei alte Sorten anschauen und an Veranstaltungen zu verschiedenen Themen teilnehmen.(Ich selber bin seit 4 Jahren Mitglied und seit 3 Jahren Erhalterin zweier alter Sorten, die ich über 3 Jahre anbaue und dokumentiere) http://www.arche-noah.at

VEN-Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, Ursula Reinhard, Sandbachstr. 5, 38162 Schandelah, Tel: 05306/1402
Auch dieser Verein bemüht sich um die Erhaltung und Verbreitung alter Kultur-und Nutzpflanzen.

Sorten

Beschreibung einiger interessanter Sorten:


Reisetomate:
Eine rote Stabtomate, die früh reift. Interessant ist die kuriose Form. Die Früchte sind in viele Teilfrüchte eingeschnürt, die man von der Frucht einzeln lösen und essen kann. Der Geschmack soll vorzüglich sein (frisch-säuerlich). Es besteht eine hohe Krautfäuleresistenz.

Mühls Mini:
Eine ebenfalls rote, mittelfrühe Stabtomate, deren Früchte zu den Cocktail-Tomaten zählen. Sie sind rot, rund und kirschförmig. Die Ernte fällt meist sehr reichlich aus und der Geschmack ist hocharomatisch.

Mrs. Lindsay:
Cremig-weiße, große Fleischtomate, die einen sehr milden Geschmack vorweist.

Zahnrad oder Zapotec Pleated:
auffällige, rote Form mit 5 "Zacken", mittelfrühe Sorte

Tigerella:
rot-orange gestreifte, frühe Tomate mit süßsaurem Geschmack, gute Erträge

Schwarze Sarah:
groß, violettbraun, wunderbares Aroma, ertragreich, alte deutsche Sorte

Alle die hier aufgelisteten Sorten finden Sie entweder im "Arche-Noah"-Sortenhandbuch:

http://www.arche-noah.at
oder unter der Bestellanschrift: Manfred Hahm-Hartmann, Wilhelm-Löhe-Str. 5, D-95176 Konradsreuth, Tel. 09292-6558 oder auch im Internet:
http://members.tripod.de/rkraft/tomatenhahm.html#Tomaten


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