Im September lecker Kartoffel

Allgemeines

Allgemeines:

Im September möchte ich Ihnen die Kartoffel (Solanum tuberosum) näher vorstellen. Sie gehören genau wie die Tomaten zu den Nachtschattengewächsen. Alle oberirdischen Teile der Kartoffel enthalten den giftigen Stoff Solanin. (und dieser Stoff sitzt auch in den grünen Stellen an einer Kartoffel, deshalb immer wegschneiden).
Die einjährige Kartoffel ist neben Reis, Mais und Weizen wichtigstes Nahrungsmittel. Dabei ist sie von den Zubereitungsmöglichkeiten ein echtes Allroundtalent. Ganz abgesehen von ihrem hohen Eiweiß-, Mineralstoff- und Vitamingehalt.
Die Kartoffel stammt aus Südamerika, genauer aus Chile und den peruanischen Anden, wo sie bereits 7000 Jahre vor Christi Geburt angebaut wurde. Daher auch der Name "Inkatrüffel". Kartoffeln sind nur in Kultur bekannt, es gibt also keine wilden Formen. Die oberirdische Frucht ist botanisch gesehen eine Beere, sie enthält zahlreiche Samen, die nur für die Züchtung interessant sind. Die Kartoffel ist dagegen vom botanischen her eine stark entwickelte Sproßverdickung. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts kamen einige Knollen mit Seefahrern nach Europa. Der Name Kartoffel stammt von dem fälschlicherweise gegebenen Begriff der Spanier, die die Kartoffel für Trüffel hielten. Sie nannten sie Taratoufli, daraus wurde im deutschen Volksmund die Artuffel und schließlich die Kartoffel.
Genau wie der Tomate erging es der Kartoffel, sie wurde nicht als Nahrungspflanze, sondern als Zierpflanze in die botanischen Gärten gestellt. Ihre Blüten waren beliebter Haarschmuck bei Hofe.
Erst im 17. Jahrhundert wurde sie als Nahrungsmittel entdeckt. Die Spanier nutzten als erste die Kartoffel als Vitamin C-reiche Kost gegen die gefürchtete Skorbut auf Schiffen. Hungersnöte und Missernten verhalfen der Kartoffel zur großen Verbreitung. Den Wert der Kartoffeln entdeckte auch der Preußenkönig Friedrich der Große. Er erließ 1756 den staatlichen Befehl zum Kartoffelanbau im ganzen Land. Allerdings wurden die Kartoffeln verschmäht und den Hunden zum Fraß vorgeworfen. Erst dank einer List fand die Kartoffel ab 1780 ihre allmähliche Verbreitung. So erzählt man sich, das Friedrich der Zweite, um das angeschlagene Image der Kartoffel zu verbessern, Kartoffelfelder von Soldaten bewachen ließ. Denn alles, was damals in Preußen bewacht wurde, mußte besonders wertvoll sein.
Die Kartoffel wurde so nach und nach zum beliebtesten Sattmacher.
Der ärgste Feind der Kartoffel, die Kraut-und Braunfäule (ein Pilz), vernichtete 1844 die gesamte Kartoffelernte in Europa innerhalb von wenigen Wochen. In Irland kam es zu einer Hungersnot.
Die Bauern in den Anden beugen solchen totalen Mißernten vor, indem sie auf ein und dasselbe Feld, mehrere verschiedene Kartoffelsorten pflanzen. Die eine Kartoffel widersteht der Braunfäule, die nächste ist gegenüber leichten Frösten tolerant. So ist immer für eine gewisse Ernte gesorgt, und es gibt sogar für verschiedene Zubereitungsarten die richtige Kartoffel, dies als weiterer Vorteil der Vielfalt im Anbau.

Anbau

Anbau:

Der Anbau von Kartoffeln ist relativ pflegeleicht. Der Boden sollte sandig-lehmig, tiefgründig, locker und humusreich sein. Aber wer hat schon diesen idealen Boden! Man sollte es auf jeden Fall mit den eigenen Bodenverhältnissen erstmal ausprobieren. Im Herbst kann man bereits gut verrotteten Stallmist ausbringen. Gerade unser kühl-gemäßigtes Klima ist ideal für Kartoffeln zum Wachsen. 4 Wochen vor der Aussaat, die meist Anfang bis Ende Mai stattfindet (die Bodentemperatur sollte 7° betragen) , sollte man die Saatkartoffeln in einer Kiste auf ein Fensterbrett stellen. So beginnt die Kartoffel bereits Keime zu bilden, die für ein schnelles Wachstum sorgen.
Pflanzt man die Kartoffeln, sollte nicht mehr als 5 cm Boden über ihnen aufgeschüttet werden. Die Pflanzrillen sind 40-50 cm auseinander. In der Reihe reicht ein Abstand von 30-50 cm. Zeigen sich die ersten Blätter darf man anhäufeln. Auf eine ausreichende Wasserzufuhr achten. Kartoffeln zeigen ihre Reife mit dem Welken der Blätter an. Lagern kann man sie in luftigen, etwas feuchten Räumen bei 7-8°. Wer nur einige Saatkartoffeln von z.B. einer alten Sorte hat, kann diese sehr gut bis zum nächsten Jahr im Kühlschrank aufbewahren.
Sorten

Sorten:


Bei den Kartoffeln gibt es an die 5000 verschiedene Sorten. Man unterscheidet Frühe-Mittelfrühe-und Späte Sorten, Mehlige und festkochende. Desweiteren gibt es sie in unterschiedlichen Schalenfarben (rot, gelb, weiß, Schwarz oder Blaulila) und verschiedenen Fleischfarben (weiß, gelb, gefleckt und Lilablau). Auch die Knollenform kann variieren von oval, lang, rund bis zu nierenförmig. Und selbst im Geschmack gibt es noch einiges zu entdecken, von buttrig über cremig, würzig, herb oder erdig.
In Deutschland sind lediglich 244 Sorten zugelassen. Im Supermarkt findet man dagegen kaum mehr als ein Dutzend, ein trauriges Ergebnis angesichts dieser Vielfalt. Aber auch hier kann jeder Hobbygärtner aktiv werden und ein Stückchen Erde für alte, leckere Sorten reservieren, denn es gibt einige Vereine und Privatleute, die sich der Vermehrung und Erhaltung alter Kartoffelsorten widmen.

Institut für Pflanzengenetik und
Kulturpflanzenforschung Gatersleben
Außenstelle Nord
Kurator Dr. K. Schüler
Parkweg 3
18190 Groß-Lüsewitz
Genbank.Lü[email protected]

Hier bekommt man Kleinstmengen alter Kartoffelsorten und auch Informationen. Lediglich das Porto muß bezahlt werden.

Arche Noah
Gesellschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt
und deren Entwicklung.
Obere Straße 40
A 3553 Schloß Schiltern
http://www.arche-noah.at

Aus einem umfangreichen Katalog kann man sich verschiedene alte Kartoffelsorten aussuchen. Der jeweilige Anbieter bekommt dafür einen im Katalog vereinbarten Betrag.

Pro Spezie Rara
Sortenzentrale
Postfach 95
CH 5742 Kölliken
http://www.psrara.org

Dieser Verein sucht ständig Erhalter, die bis zu 5 Sorten ( u.a. Kartoffeln) aus einem Katalog kostenlos auswählen können, um sie anzubauen und Samen bzw. Saatgut zu gewinnen, welches wieder zurück gesandt wird. Zu den einzelnen Pflanzen müssen Beobachtungsbögen ausgefüllt werden.

Im privaten Bereich gibt es verschiedene Gärtnereien und Landwirte, die ebenfalls alte und bunte Kartoffelsorten anbauen.

Sorten

Über den Handel mit alten Sorten:


Angesichts der Vielfalt von Gemüse- und Kartoffelsorten hat sich der ein oder andere bestimmt schon einmal gefragt, weshalb z.B. bei den Sämereien bei 10000 verschiedenen Tomatensorten lediglich 10 Sorten käuflich zu erwerben sind. Verantwortlich dafür ist das Bundessortenamt in Hannover. Denn hier muß jede Sorte angemeldet und geprüft werden, ehe sie in den Regalen hängen darf oder gewerbsmäßig angebaut wird. Der Sinn dieses Verfahrens liegt im Schutz desjenigen, der eine neue Sorte gezüchtet hat, also ähnlich einem Patent.
Hat eine Sorte alle Instanzen erfolgreich durchlaufen, wird sie in die Beschreibende Sortenliste aufgenommen, und darf in Deutschland und EU-weit vertrieben werden. Der Antrag auf Zulassung muß allerdings nach einigen Jahren erneuert werden.
Die meisten der alten und bunten Sorten sind allerdings in der Sortenliste nicht oder nicht mehr vertreten. Solche Sorten werden in Genbanken aufbewahrt. Dank vieler Vereine (s.o.) und engagierter Hobbygärtner ist es gelungen, alte Sorten wieder populär zu machen, einmal um die Vielfalt aufzuzeigen, und auch die Stärken so manchen Gemüses zu demonstrieren.
Denn viele dieser alten Sorten sind z.T. von den Sortenlisten verschwunden, wegen ihres zu geringen Ertrages, oder weil sie wegen ihrer Form industriell nicht verarbeitet werden können.
Aber geschmacklich übertreffen sie meist die in Monokultur massenhaft angebauten "Normal-Sorten".
Normalerweise dürften also diese Sorten laut Saatgutverkehrsgesetz nicht mehr im Verkehr sein, wenn es da nicht eine klitzekleine Ausnahme geben würde. Alte Sorten dürfen somit angebaut werden zu Züchtungs- Forschungs- und Ausstellungszwecken. Im weitesten Sinne gehört dazu auch die Weitergabe zur Erhaltung der Art.
Hinzu kommt, das es sich meist nur um kleine Mengen an Saatgut handelt. Auf Gesetzesebene besteht hier also Handlungsbedarf, alte Sorten wieder zuzulassen, damit nicht immer mehr Sorten einfach im Nichts verschwinden. Interessant zum Nachlesen ist auch folgender Artikel: