Zuckererbse "Posthörnchen"
Blauhülsige Schalerbse Allgemeines:

In diesem Monat möchte ich mich einem Gemüse widmen, dem meiner Meinung nach etwas Altmodisches anhaftet. Es ist die einjährig wachsende Gemüse-Erbse (Pisum Sativum). Man kennt sie eher noch aus dem Märchen, aber weniger als Gemüse auf unseren Tellern.
Das mag einerseits an den "leckeren" Dosenerbsen liegen, die ja mal ganz groß in Mode waren. Andererseits ist die Vielfalt des Gemüseangebotes auf dem Markt um ein Vielfaches gewachsen. Ausgenommen von dem Mauerblümchendasein ist die Zuckererbse (Pisum Sativum conv. axiphium), die

Ursprünglich stammt die Erbse aus Vorderasien, bis ins Mittelalter wurde sie allerdings nur als Trockenerbse genutzt. In ganz Mitteleuropa galt sie als wichtigstes Grundnahrungsmittel. Frische Grün-und Pflückerbsen gab es erst ab dem 13. Jahrhundert. In Zeiten Ludwig des XIV wurden Gerichte aus Erbsen als besondere Delikatesse beschrieben.

Erbsen gehören genau wie Bohnen zur Gattung der Schmetterlingsblütler (Leguminosae). Weltweit gibt es an die 250 Sorten. Eine sehr positive Eigenschaft dieser Pflanzen ist es, dass sie den Boden mit Stickstoff anreichern.

Neben der Hülsenform, der Kornfarbe und der Reifezeit interessiert insbesondere die Beschaffenheit der Samenkörner/Erbsen. Man unterscheidet Schal- oder Palerbsen (Pisum sativum, convar. sativum), Markerbsen (Pisum sativum, convar. medullare), Zuckererbsen (Pisum sativum, conv. axiphium) und Trockenerbsen. Zwei weitere Gattungen unter den Leguminosen bilden noch die Spargelerbsen (Tetragonolobus purpureus) und die Kichererbsen (Cicer arietinum L.), die ich gesondert vorstellen möchte.

Schal-oder Palerbse: Das Samenkorn ist hier rund und glattschalig, Die Samen sind sehr stärkehaltig und deshalb nicht so süß wie die Markerbsen. Frisch essen kann man sie nur im jungen Stadium. Ansonsten werden sie getrocknet. Sie sind relativ frostverträglich.
Markerbse: Die Samenkörner sind hier meist runzelig, im jungen Alter süß und sehr zart. Man muß sie in der Hülse frisch kaufen oder einfrieren. Diese Erbsen können nicht getrocknet werden, denn beim Kochen werden sie nicht mehr weich. Temperaturen unter -3° können bereits Schäden verursachen.
Zuckererbsen: junge, unreif geerntete Erbsen. Es fehlt die ungenießbare Pergamentschicht an der Innenseite der Hülse. Die zarten Samen werden mit der Schale verzehrt. Hoher Zuckergehalt. Vor dem Zubereiten muß man die Faser auf der Naht der Hülse entfernen.
Trockenerbsen: alle Erbsen, die im ausgereiften Stadium geerntet werden. Alle diese Erbsen werden gekocht gegessen.

Anbau Anbau:

Erbsen wachsen auf jedem gut gelockerten Boden, mittlere bis schwere Böden bringen höhere Erträge. Erbsen sollten bereits im März ausgesät werden, denn sie vertragen im Gegensatz zu Bohnen leichten Frost. Nach April ausgesäte Erbsen setzen nicht mehr viele Früchte an. Man sät in Reihen mit einem 40 - 50 cm großen Abstand, in der Reihe läßt man zwischen jeder Pflanze 8 - 10 cm Platz. Die Saattiefe beträgt 5 cm. Man kann aber auch in Doppelreihen pflanzen, z.B. zu beiden Seiten eines Gerüstes. Der Abstand zwischen solchen Doppelreihen sollte ca. 1,20 m betragen.
Wer sich die Mühe macht, kann die Erbsen im Haus oder Gewächshaus ab Februar bei mindestens 5° bereits vorziehen. Die Jungpflanzen werden anschließend im Beet angehäufelt. Erbsen sind in unserem Klima Selbstbefruchter, die Befruchtung findet bereits statt, ehe sich die Knospe öffnet. Die Kulturdauer beträgt zwischen 90 und 120 Tagen. Die Erbse ist eine gute Vorfrucht, weil sie tief wurzelt, und wie bereits erwähnt, den Boden mit Stickstoff anreichert. Als Nachfrucht kommen Kohlrabi, Grünkohl oder z.B. Chinakohl in Frage. Wichtig zu wissen ist noch, dass Erbsen mit sich selbst und anderen Leguminosen unverträglich sind. Das heißt, daß man auf den Boden wo Erbsen standen, 3 Jahre lang keine weiteren Erbsen oder z.B. Bohnen anbauen sollte. Gemüseerbsen erhalten keinen organischen Dünger, etwas Kali und Phosphat reichen völlig aus.
Am besten ist es, den Boden bereits im Herbst mit Komposterde zu versorgen und dann im Frühjahr anzubauen.
Erbsen sind gegen Trockenheit relativ widerstandsfähig, erst mit Beginn der Fruchtbildung muß auf eine regelmäßige Bewässerung geachtet werden.
Noch ein Wort zu den Stützen. Bei niedrigen Erbsensorten reichen Reiser aus, die dicht daneben in den Boden gesteckt werden. Höhere Erbsensorten brauchen eher etwas Stabileres. Ich habe 2 Hölzer in die Erde geschlagen, an denen ich ein Stück normalen Maschendrahtzaun befestigt habe. So etwas ist auch schnell wieder abgebaut. Die Ernte der unreifen Erbsenhülsen beginnt etwa Mitte Juni und kann sich bis in den August erstrecken. Wer Samen fürīs nächste Jahr ernten möchte, der muß einfach nur warten bis die Samenhülsen verdorren, dann kann man die Pflanze meist gleich mit entfernen.

Spargelerbse Spargelerbse:

Die Spargelerbse (Tetragonolobus purpureus) wird auch als Flügelerbse, Spargelbohne oder Kaffeeerbse bezeichnet. Diese weitgehend in Vergessenheit geratene Gemüsesart hat im erwerbsmäßigen Anbau keine Bedeutung, da sie ertragsschwächer ist als der Anbau der Zuckererbse. Größerer Beliebtheit erfreut sich dagegen die Spargelerbse in England. Die unreif geernteten Hülsen weisen einen spargelähnlichen Geschmack auf. Der Begriff Flügelerbse kommt von den vier flügelähnlichen Kanten entlang jeder Hülse.
Ihre Heimat ist das Mittelmeergebiet. Daher auch der etwas höhere Wärmeanspruch als bei unseren Gemüseerbsen. Die Pflanzen besitzen eine gewissen Zierwert mit ihren graugrünen Blättern, der etwas buschigen Form, den purpurfarbenen Blüten und natürlich den exotisch wirkenden Hülsen. Spargelerbsen wachsen auf fast allen Böden die nicht naßkalt oder extrem schwer sind.
Die Aussaat kann in unserem Klima erst ab Anfang Mai erfolgen. Die Saattiefe beträgt 1 - 3 cm. Eine Vorkultur in Töpfen lohnt sich. Der Reihenabstand liegt bei 50 - 60 cm, in der Reihe 30 - 50 cm, wegen dem buschigen Wuchs. Die Hülsen müssen bei einer Länge von 5 - 6 cm gepflückt werden, sie neigen sonst zum Verholzen und der typische Geschmack geht verloren. Die gepflückten Hülsen sind nicht sehr lange lagerfähig. Die Zubereitung der Hülsen gleicht der von Zuckererbsen. Die jungen, blattlosen Triebe lassen sich wie Spargel zubereiten. Die getrockneten und gerösteten Samen können zur Herstellung von Kaffeeersatz dienen.

Kichererbse Kichererbse:

Die Kichererbse (Cicer arietinum) kam bereits vor 8 bis 10000 Jahren im vorderen Orient vor, wie archäologische Funde beweisen. Im klassischen Altertum wird sie bereits als Nutzpflanze beschrieben. Vom frühen Mittelalter an findet die Kichererbse in allen Pflanzenbüchern Erwähnung. Hildegard von Bingen (1098-1179) schreibt ihr sogar eine heilende Wirkung zu. Die Kichererbse hat ihre Bedeutung als Trockenerbse und findet hauptsächlich in orientalischen Gerichten ihre Verwendung.
Wegen ihres hohen Wärmeanspruches wird sie auch mehr in Ländern wie der Türkei, Pakistan und Indien angebaut. Der Anbau in Deutschland ist seit 1929 fast gänzlich verschwunden. Die Kichererbse ist eine sehr formenreiche Pflanze, was sich im Aussehen und der Farbvielfalt der Samenkörner ausdrückt. Die Aussaat erfolgt Mitte Mai oder man setzt vorgezogene Pflanzen. Die Saattiefe liegt bei 3 - 4 cm. Der Pflanzabstand sollte 30 x 20 cm betragen.
Woher kommt nun der Name dieser Pflanze ? Es heißt, dass hanseatische Kaufleute für die Namensgebung verantwortlich waren. Unterhalb des kleinen Zipfels, den jede dieser Erbsen besitzt, verläuft eine waagerechte, leicht gekrümmte Kerbe. Mit dieser Kerbe als Mund kann man sich ein lachendes Gesicht auf der Erbse vorstellen. Die Kicherbse findet gekocht Verwendung (12 Std. einweichen, ca. 3 Std. kochen!), geröstet wie Nüsse, als Brei, selbst die jungen Pflanzen werden als Salat gegessen. Kichererbsen gelten auch heute immer noch als Arme-Leute-Essen.

Sorten Sorten:

Schal-oder Palerbse: Rheinperle (sehr früh), Kleine Rheinländerin (früh) Schwarze Urperle (frühere Lokalsorte in Osttirol), Blaue Kapuzinererbse (Hülsen blau, Kerne braun/grün), Gelbe Russische Erbse (Trockenerbse)
Markerbse: Aldermann, Siegerin, Exzellenz, Kapuzinererbse, Resi (früheste Markerbse, auch für Herbstaussaaten, verträgt bis - 12°)
Zuckererbse: Zuga, Ambrosia, Sugar Bon, Delikett, Posthörnchen, Golden Sweet, Vasokii (Erbsen groß, grau und stark punktiert )

Kichererbse

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